Was ist denn plötzlich mit der EZB los?

Liebe Leser,

EZB_Wie ich Ihnen hier bereits angekündigt habe, hat die EZB die Zinsen am Donnerstag gesenkt. Viele Zeitungen und Ökonomen zeigten sich von dem großen Senkungsschritt von 75 Basispunkten doch recht überrascht. Sicher, normalerweise kennt man von der Notenbank kleinere Schritte von 0,25 bis 0,50. Aber dies geschah unter anderen Marktbedingungen. Dieses Mal ist die Krise eine andere und ich habe Ihnen vorgestern von dem großen Zinssenkungsschritt geschrieben.
Der Euro verhielt sich nach der Meldung neutral und sank nur marginal unter die 1,27er Marke. Im Gegenteil: Trotz der 75 Basispunkte stieg der Euro weiter an und konnte wieder kurzfristig gegenüber dem Dollar Boden gut machen, bevor die Gewinnmitnahmen einsetzten.
Andere Länder haben sich den Donnerstag auch zur Aufgabe genommen und ihre Leitzinsen gesenkt. So senkte die Bank of England, noch radikaler als die EZB ihren Leitzins, um 100 Punkte. Die Schwedische Reichsbank setzte hier noch einen drauf und senkte um 175 Basispunkte. Jetzt sind die Leitzinsen in Schweden bei 2%.
Es macht mir momentan wirklich keinen Spaß dem Euro zuzuschauen. Kaum rappelt er sich auf und wandert Richtung 1,30er Marke, schon werden die Gewinne verkauft und der Kurs fällt wieder bis Regionen um 1,26 zurück. Momentan traut sich keiner der beiden Lager, Euro- oder Dollaranhänger, den Euro außerhalb seines Bandes von 1,25 und 1,30 nachhaltig laufen zu lassen. Es wird an den Widerständen verkauft und an den Unterstützungen gekauft und der Euro läuft seitwärts. Dies wird der heutige Handelstag nicht ändern können und wir werden wieder in dieser Spanne heute schließen.
Ich gehe aber davon aus, dass schon nächste Woche mehr Bewegung in das Währungspaar kommt. Dies liegt daran, dass sich die Leitzinsen weltweit annähern. So werden in den wichtigsten Währungen die Leitzinsen auf etwa dem gleichen niedrigen Niveau liegen und der Dollar würde hiervon als Weltwährung profitieren. Daher sehe ich den Euro mittelfristig aus fundamentaler Sicht als Verlierer der Zinssenkungspolitik.

Wirtschaftsdaten

Heute um 14.30 wurden wichtige Daten zum Arbeitsmarkt für die USA gemeldet. So ist die Arbeitslosenquote einen Hauch besser als erwartet ausgefallen. 6,7% der Bevölkerung war arbeitslos statt den erwarteten 6,8%.
Allerdings ist die Zahl der Beschäftigten in den USA um 533.000 zurückgegangen, anstatt der erwarteten 300.000.
Die Reaktion des Euro zum Dollar war daraufhin eindeutig: er stieg im Tief von 1,2620 auf 1,2750 innerhalb weniger Minuten. Etwas länger dauerte es bis er die Gewinne wieder abgab und jetzt wieder im Mittelfeld von Tief und Hoch notiert.
Hier haben sich im Vorfeld die Marktakteure positioniert und es kam zum Schneeballeffekt. Immer mehr Orders griffen, als der Euro immer neuere Hochs nahm. Irgendwann gingen die Käufer aus und die Gewinne wurden verkauft. Danach erst normalisierte sich der Kurs. Es ist eigentlich das übliche Spiel. Werden wichtige Zahlen veröffentlicht und entsprechen sie nicht der Schätzung, kommt es zu unvorhersehbaren Übertreibungen am Markt. Halten Sie sich daher am besten zu diesen Zeiten von den Märkten fern und handeln Sie erst wieder, wenn sich der Markt etwa eine halbe Stunde später wieder normalisiert hat.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag.
Ihr
Robert